20 Minuten Pause

Wie Sie seelischen und körperlichen Zusammenbruch verhindern können

Eine Buchbesprechung des gleichnamigen Werkes von Ernest Rossi & David Nimmons

Dass Seele und Körper miteinander kommunizieren, ist schon lange bekannt, gefühlt und durchlebt worden. Wie kann etwas, das so solide und materiell ist wie Fleisch und Knochen, mit etwas so Immateriellem wie Bewusstsein und Geist kommunizieren?

Ursprung der ultradianen Zyklen ist die Informationsmatrix der Gene

Sie bestimmt, welche Botenstoffe zur optimalen Selbstregulation der Verbindung zwischen Seele und Körper ausgeschüttet werden.
Botenstoffe sind für wichtige Heil- und Wachstumsprozesse erforderlich.

Der Schlüssel heißt „Information“ und die Wissenschaft, die diesen Zusammenhang
beforscht heißt Psychoneuroimmunologie. Es besteht ein reger und lebenswichtiger Informationsaustausch zwischen Gehirn und Immunsystem. Der Körper ist ein Netzwerk und Krankheit ist somit eine Kommunikationsstörung zwischen biologischen, psychischen und sozialen Vorgängen.

Dabei spielt Stress eine wesentliche Rolle. Nicht nur psychischer, sondern auch körperlicher Stress hat Auswirkungen auf das Hormon- und Immunsystem.

Grundsätzlich unterliegen diese Informationsprozesse bestimmten Grundrhythmen,
die wie psychobiologische „Uhren“ fungieren. Ein ultradianer Rhythmus von 90-120 Minuten ist ein Grundzyklus für Ruhe und Aktivität.
Die Chronobiologie (Biologie der Zeit) hat diese Rhythmen beforscht und stellt fest, dass sich mehr als 100 Funktionen unseres Körpers in regelmäßigen Zeitabständen wiederholen.
Diese haben nichts mit den Biorhythmen zu tun. Sie sind ein Mythos und nicht wissenschaftlich abgesichert.

Dieser ultradiane Rythmus findet alle 90 – 120 Minuten statt und beeinflusst unser Leben, unsere Gesundheit und Leistungsfähigkeit auf subtile, aber bedeutsame Art. Dieser grundlegende Ruhe-Aktivitäts-Zyklus bestimmt unser gesamtes Wesen.
Die Kurve des ultradianen Leistungsrythmus besteht aus einer etwa 90-120 minütigen Aktivitätsphase und einer 20minütigen Erneuerungsphase. Dabei gibt es individuelle Varianzen im Hinblick auf den zeitlichen Ablauf dieser Rhythmen.

Werden diese Phasen der Ruhe nicht beachtet, kann die Spitze der Leistungsfähigkeit auf Dauer nicht erreicht werden und der Mensch wird Opfer des ultradianen Stresssyndroms, psychosomatischer Störungen oder Suchtkrankheiten.

Es gilt ein Gespür für die natürlichen Signale unserer Seele und unseres Körpers zu entwickeln.
Der Hypnotherapeut Milton Erickson, der von Rossi über 8 Jahre bei seiner Arbeit beobachtet wurde, hat diese Heilperioden in seiner Arbeit genutzt.
Er behandelte seine Patienten in 90minütigen Sitzungen, dabei gerieten sie auf eine ganz natürliche Weise in sehr rezeptive Phasen, die zwischen 10 und 20 Minuten dauerten. In diesen Phasen waren sie besonders offen für therapeutische Suggestionen. Er nannte sie Alltagstrance. Es handelt sich um regenerierende Pausen im Tagesverlauf.

Nachts erleben wir diesen Rhythmus beim Schlafen und Träumen. In der sogenannten REM-Phase von 20 Minuten findet in unserem Seele-Körper-System eine intensive Kommuni-kation- und Aktivitätsentladung statt.

Die Ultradiane Heilreaktion

Die Heilreaktion lindert Stresssymptome, indem sie die natürlichen Rhythmen unserer Körper-Seele-Einheit Gelegenheit gibt, sich wieder zu normalisieren.
Physiologische und psychologische Prozesse werden koordiniert. Wenn diese Heilreaktion bewusst genutzt wird, geschieht es, dass wir dann auf dem Gipfel des Zyklus arbeiten und uns dabei wohlfühlen.

Heute geht man von der ultradianen Natur des menschlichen Bewusstseins aus. (Wever, 1988)

Wenn die ultradianen Rhythmen nicht beachtet werden

Wird uns eine bestimmte Anstrengung abverlangt, dehnen sich unsere ultradianen Rhythmen aus, sodass unsere geistige Wachheit und körperliche Kraft uns in einer Notsituation das Überleben garantieren – und das sogar während des 20-minütigen Leistungstiefs.
Der menschliche Organismus ist flexibel und kann hin und wieder sogar eine Erholungsperiode überschlagen – vorausgesetzt, wir halten in Zeiten ohne echte Notlage die Erholungspausen mit einer gewissen Regelmäßigkeit ein.
Es war von der Natur nicht vorgesehen, dass der Mensch ständig mit einem hohen Pegel an Stresshormonen lebt.
Wenn Stress chronisch wird, nimmt er uns Kraft und die Botenstoffe werden reduziert, Stress überflutet unseren Körper mit Erschöfpungstoxinen, und wir fallen schließlich dem ultradianen Stresssyndrom zum Opfer.

Das ultradiane Stresssyndrom

Es handelt sich um zahlreiche lebensbeeinträchtigte psychosomatische Symptome, die entstehen, weil wir die Hinweise des Körpers ignorieren.
Die Folgen sind:

Gedächtnis- und Lernstörungen Erschöpfungszuständ selbstzerstörerische Tendenzen
Herzkrankheiten Schlaganfälle Kopfschmerzen Rückenschmerzen Bluthochdruck
Magengeschwüre Asthma Hautkrankheiten Depressionen Angstzustände Schlaflosigkeit
Übergewicht Gestörtes Immunsystem – Infektionskrankheiten (einige Fachleute behaupten Krebs, Aids )

Die vier Stadien des ultradianen Stresses

  1.  Stadium – Mach-mal-Pause-Signale (Gähnen, Hunger, Verspannungen, Gedächtnisstörungen)
  2. Stadium – „high“ von den eigenen Hormonen (wohlfühlen unter Stress, Adrenalinausschüttung, danach weiterarbeiten mit gefühlt neuer Energie-natürliche Opiate)
  3. Stadium – an der Schwelle der Funktionsstörung (Erholungsbedürfnis unterdrückt, es folgen fehlerhafte Beurteilungen, körperliche Fehlleistungen, Gefühl der Inkompetenz)
  4. Stadium – der Körper rebelliert (für das Lernen zuständige Gehirnzellen werden zerstört, Kopfschmerzen Rückenschmerzen, Magengeschwüre, Immunsystem blockiert)

All diese Störungen können durch das Einhalten der Erholungspausen wieder geheilt werden, da dann die Produktion der Lebenswichtigen Botenstoffe wieder einsetzt und das optimale gesunde Gleichgewicht wieder hergestellt wird.

Die vier Stadien der ultradianen Heilreaktion – 20 Minuten Pause

  1. Erkennungszeichen – Die Heilreaktion beginnt mit denselben Anzeichen wie die Mach-mal-Pause-Signale, dann entscheidet es sich, ob es zu einer Heilreaktion oder zu Stress kommt. Entspannen, indem man ohne Anstrengung in den natürlichen Zustand der Heilung von Seele und Körper gleitet.
  2. Zugang zu einer tieferen Atmung (Achtsamkeit)
  3. Seele-Körper-Heilung – Nichts tun – Fantasien erleben, Tag-Träume man kann hier nichts falsch machen
  4. Innere Erneuerung und Aufwachen – Gefühl großer Klarheit und gesteigerter Intuition,
    schöpferische Erkenntnisse

Der Ultradiane Werkzeugkasten

Die praktischen Tipps und Hinweise aus dem Buch ermöglichen es, sich auf den Dialog zwischen Körper und Seele einstimmen zu können und mit bestimmten Verhaltens-änderungen auch eine Heilreaktion während der Arbeitszeit zu erhalten. Hier einige Stichworte:

Leistungshochs und –tiefs in die Planung einbeziehen
Anspruchsvolle und motivierende Aktivitäten mit weniger hohen Anforderungen abwechseln
Verschieben Sie Ihre Hochphasen
Heilen Sie sich selbst während eines Tiefs
Wie man mit dem toten Punkt fertig wird

Wenn keine 20 Minuten-Pause gemacht werden kann:
Die ultradiane Minipause

Weiterhin finden sich in dem Werkzeugkasten Hinweise für die Anwendung der ultradianen Erkenntnisse auf verschiedene Berufsbilder, sowie in der Ernährung und Gewichtskontrolle, im Bereich des familiären Alltags und verschiedener Altersgruppen.
Auch Erkenntnisse bezüglich des Zusammenhangs zwischen ultradianen Rhythmen und Sexualität helfen die Intimität zu steigern.

Schlussbetrachtung:

Mir ist beim Lesen dieses Buches klarer geworden, wie unser komplexes Wesen doch auf einfache Art und Weise bei der Beachtung der Grund-Rhythmen unseres Seins funktions- und leistungsfähig bleiben könnte. Es erschien mir zeitweise so einfach, dass es schwer zu glauben war.
Die größte Problematik bleibt auch nach dem Lesen dieser Lektüre weiterhin bestehen: wie genau kann ich diese Wahrheit im Alltag konsequent umsetzen?

Ich kam zu dem Schluss, dass bestimmte Voraussetzungen beim Einzelnen erfüllt sein müssten:

Die Fähigkeit sich selbstsicher von den Erwartungen anderer abgrenzen zu können und trotzdem die Aufgaben des Alltags zufriedenstellend für sich und andere zu erfüllen.

Das Training für die Ermöglichung dieser Fähigkeit kann im Rahmen eines Coachings oder einer Psychotherapie erfolgreich stattfinden.

 

Geschrieben von:

Ursula Bellamy
Dipl. Soz. Päd.
Verhaltenstherapeutin

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